Aktuelles aus unserer Partnergemeinde Keetmanshoop in Namibia

Aufgewacht aus der Corona-Starre                                                                          Juni 2020

Es hat eine Weile gedauert, bis ich aus der Corona-Starre aufgewacht bin. Und irgendwann auch wieder nach Namibia geschaut habe, in unsere Partnerschaft nach Keetmanshoop. Über unsere Whatsapp-Gruppe, über die wir mit den Partnern verbunden sind, haben wir angefangen zu fragen, wie es denn eigentlich den Geschwistern geht?

Trotz der wenigen Fälle von Infizierten – Touristen, Wanderarbeiter in Walvisbay, kein einziger Fall in Keetmanshoop, in der Region, wo unsere Partner leben – ist Namibia im Shutdown. Ein Shutdown, in dem die Menschen am Ende nicht durch Milliarden aufgefangen werden. Ein Shutdown, der die Arbeitslosigkeit um ein Vielfaches verschärft. Die Menschen in den Hunger treibt.

Die Kirche organisiert Freiwillige, die durch die Dörfer laufen und Hygieneregeln erklären. Hygieneregeln in einem Land, wo es in den armen informellen Siedlungen kaum Wasser geschweige denn eine Möglichkeit zum Händewaschen gibt. Wir sorgen uns um die Menschen in Namibia.

Die Partner beten für uns!
Und dann passiert inmitten der Pandemie, inmitten des Shutdowns und dem auf sich selbst zurückgeworfen sein etwas Merkwürdiges. Die Partner beten für uns. Sie wissen um unsere Infektionszahlen und beten für uns, für unsere Gesundheit, dafür, dass wir uns nicht infizieren. Zeilen aus Psalm 30 schickte uns Anfang Juni der namibische Kirchenrat mit einer kleinen Andacht, die ich hier übersetze:

Psalm 30, Verse 5-6.
Ihr Heiligen, lobsinget dem HERRN; danket und preiset seine Heiligkeit! Denn sein Zorn währt einen Augenblick, und lebenslang seine Gnade; den Abend lang währt das Weinen, aber des Morgens ist Freude.

Der Kirchenrat schreibt dazu:
In Zeiten, in denen der unsichtbare Feind die gesamte Menschheit bedroht, sollten die Kinder Gottes im Gebet vereint sein, denn die Hoffnung, dass der Herr am Morgen Freude schickt, ist unsere Stärke.

Wir haben gehört, wie viele Corona-Infizierte es in Deutschland gibt und wie viele Tote. Jeden Tag gibt es Tausende Tote und Infizierte auf der Welt undNamibia ist nicht ausgenommen. Wir stehen an einem Kreuzweg und keiner von uns weiß, in welche Richtung wir gehen sollen. Aber wie auch immer die Situation ist, wisset

Des Morgens ist Freude

Wir sind überwältigt von Unsicherheit, Verzweiflung und reiner Angst und unser Glaube wird erschüttert bis zum Boden. Unsere Gedanken drehen sich um nichts anderes. Und trotzdem ist es unsere Pflicht, an euch, unsere Brüder und Schwestern zu denken und uns immer und immer wieder daran zu erinnern, des Morgens ist Freude.

Liebe Partner, wisset, dass wir Teil von euch sind und mit euch um eure Toten trauern. Keiner von uns ist ausgenommen und darum ist es wichtig, dass wir im Gebet zusammenbleiben und mit Gott reden, denn er ist unsere Antwort und unsere Bestätigung dafür, dass des Morgens Freude ist. Lasst uns vereint bleibenim Gebet, denn die heilende Hand des allmächtigen Gottes hält uns über alle Grenzen hinweg. Amen.

Scham und Demut
Ich schäme mich, als ich das lese. Schäme mich, weil der Corona-bedingte Shutdown mich für eine Weile dazu verleitet hatte, mich selbst abzuschotten auf meinem Sofa, in meinem Wuppertal, in meiner Facebook-Blase. Mit dem Schließen der Grenzen wurden meine Prioritäten plötzlich so lokal.

In unserem reichen Deutschland gibt es sehr wohl viele Kranke, vielleicht auch Dauerkranke, und Tote zu beklagen. Unsere Angst vor der Krankheit war und ist groß, noch größer offenbar die Angst vor der wirtschaftlichen Krise. Retten wir die Autokonzerne, damit wir nicht ins Bodenlose fallen. Wie gut, dass Angela Merkel und Armin Laschet sich um die großen Dinge in der Republik kümmern. So können wir uns als Kirche auf die Menschen besinnen.

Auf die Menschen in unserer Nähe: die Menschen, die unter Angst, Unsicherheit, häuslicher Gewalt, und Isolation leiden, die den Anschluss verlieren an die soziale Teilhabe, deren Geld nicht reicht, weil die Preise gestiegen sind und die Kinder kein Schulmittagessen bekommen.

Aber auch auf die Menschen in der Ferne: In Namibia findet aus Angst vor der Infektion in Gegenden, wo es weit und breit kein Corona gibt, kein Gottesdienst statt. Ohne Gottesdienst kein Pfarrgehalt. Mehr Menschen sind arbeitslos, denn die Hausangestellten und die Menschen auf den Farmen wurden entlassen. Namibia kann sich das wirtschaftlich alles nicht leisten. Und wenn ich heute über Namibia rede, dann steht das stellvertretend für die vielen anderen armen Länder.

Trotzdem betet man für uns und mit uns. Wir sind die Bedürftigen geworden und unsere Geschwister sind da und beten für uns.

Ich werde demütig und fühle mich reich beschenkt.

Weeping may stay for the night. But joy comes in the morning.
den Abend lang währt das Weinen, aber des Morgens ist Freude.

Katja Dummer, Andacht für die Kreisynode Juni 2020
Sie leitet den Arbeitskreis Partnerschaft Keetmanshoop, Namibia,
und ist Mitglied des Kreissynodalvorstandes.

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