Partnergemeinde

Unter Gottes Zelt vereint –
Besuch bei unserer Partnergemeinde Keetmanshoop in Namibia

Hintergrund

Die Gemeinde besteht hauptsächlich aus Coloureds, Namibier mit (mindestens) einem weißen, meist deutschen Urahn (IMG_0060oft zu Zeiten von Südwest, zur Kolonialzeit). Während der Apartheid, d.h. vor der Unabhängigkeit in 1990, war die einzige lutherische Kirche, Immanuel, die in Keetmanshoop auch von Nicht-Weißen besucht werden durfte, nur mit einem Pass zu erreichen. Sie steht in einem anderen, vorwiegend von Namas (einem der namibischen Stämme) bewohnten Stadtviertel. So bauten die Coloureds in ihrem Stadtviertel, Krönlein, eine eigene Kirche, die während der letzten Jahren mit Pastor Karsten Diergaardt ausgebaut wurde, einen Glockenturm bekam und einen neuen Altar, 100 weitere Stühle (jetzt sind es 250 und die meisten von ihnen an jedem Sonntag besetzt).

Partnerschaft festigen

Im Auftrag meiner Gemeinde wurde ich gesandt, um Menschen zu begegnen, Gemeindeleben zu schnuppern, von Elberfeld-West zu erzählen.

Ich erzähle auch von der Situation in deutschen Kirchen überhaupt, schwindenden Mitgliedern, sinkenden Kirchensteuerzuweisungen.

Die Chöre

Im Anschluss singen alle Chöre mir zu Ehren: zuerst der wichtigste, so der Pastor, der Congregation-Choir. Dieser Gemeindechor singt u.a. auf Beerdigungen, ist aber auch über die Gemeindegrenzen bekannt. Wie alle Chöre besucht aber auch dieser Alte und Kranke. Ein Wunschprojekt ist, eine CD aufzunehmen, um mit dem Verkauf Geld in die Kasse der Gemeinde zu bringen.

Geld in die Kasse bringen will auch der Männerchor: man verkauft über mehrere Monate hinweg Lose. Der Hauptpreis, so die Antwort auf meine Frage, ist eine Kuh. Die Idee finde ich pfiffig, Lose zu verkaufen, die nehme ich auf jeden Fall mit nach Hause. Nur über den Hauptgewinn muss ich noch mal nachdenken …

Den Frauen-Chor höre ich und den Chor der jungen Mütter. Die vier Rest-Mitglieder des Seniorenchors stützen sich gegenseitig beim Singen, sind schon etwas wackelig auf den Beinen.

Und dann das Highlight des Abends: oft ist der Jugendchor – etwa 20 junge Mädchen und fünf junge Männer – offenbar noch nicht aufgetreten, aber die Begeisterung der älteren Gemeindeglieder über den ? sehr guten!! – Auftritt erinnert mich doch sehr an unsere Begeisterung bei Auftritten unseres Jugendchors CHorazon.

Am Schluss des Abends schüttele ich viele Hände, einige sprechen mich sogar auf Deutsch an, haben vielleicht bei deutschsprachigen Namibiern gearbeitet.

Weltgebetstag

Am Abend des 2. März habe ich das überaus große Glück, mit den Frauen der lutherischen, katholischen, anglikanischen, methodistischen, und auch charismatischen Gemeinden den Ökumenischen Weltgebetstag zu feiern, in diesem Jahr ausgerichtet von Frauen in Paraguay. Nie wird Ökumene fassbarer als in der Gewissheit, dass Frauen in unserer Gemeinde in Wuppertal fast zur selben Stunde nach fast derselben Liturgie feiern: “Unter Gottes Zelt vereint”, so heißt passenderweise das Motto des Gottesdienstes. Und dann, fast unglaublich, spannt sich ein wahrhaftiger echter Regenbogen nach einem der kurzen und seltenen Regengüssen in dieser viel zu trockenen Regenzeit über die Kirche von Ebenhaeser. Gottes Zeichen für seinen Bund mit den Menschen – in Namibia, in Deutschland, in Paraguay, auf der ganzen Welt.

Abendmahlsgottesdienst

Sechs Mal im Jahr feiert die Gemeinde Abendmahl (viele andere Gemeinden nur vier Mal), und wunderbarerweise auch an diesem Sonntag. Ziemlich spontan wird noch eine Taufe eingeschoben ? eine junge Familie aus Lüderitz (380 km entfernt, aber zum Kirchenkreis gehörend, z.Zt. ohne Pastor) ist über das Wochenende in Keetmanshoop und nutzt die Gelegenheit.Nam2009 039

Beim Abendmahl werden auf die Stufen zum Altar Kissen gelegt, auf die sich die Gemeinde kniet. Ein Presbyter teilt das Brot, der Pastor den Wein aus. Währenddessen singt die Gemeinde durchgängig relativ laut. Etwa 150 Menschen, so schätze ich, gehen zum Abendmahl. Mit den fünf abgedruckten Liedern kommen wir nicht aus, singen weiter. Eine lebensbejahende, fast fröhliche, dennoch feierliche Stimmung.

Grußworte zum Abschied

Ich nehme Abschied von der Gemeinde mit dem Grußwort, das Bärbel Krah mir als für die weltweite Ökumene zuständige Pastorin mitgegeben hat. Schließe noch mein eigenes Gruß- und Dankeswort für diese Woche an, habe dafür die Noah Geschichte, den Regenbogen, ausgewählt, Gottes Bund mit seinem Volk Israel und allen, die sich zu ihm bekennen, ob in Deutschland oder Namibia. Einen Fotoapparat, zur digitalen Belebung der Partnerschaft als Geschenk aus Elberfeld-West – lasse ich dort, außerdem ein Bild von der Neuen Kirche. Als Gruß nach Hause erhalte ich 15 kleine Emaillebecher in rot, grün und blau (die Farben Namibias) für die Neue Kirche, weil wir in Deutschland ja so gerne Kaffee trinken.

Zurück

Wieder zuhause geht das mühselige Geschäft des Kontakthaltens wieder seinen gewohnten Gang: erst einmal höre ich gar nichts, trotz Email-Möglichkeit, trotz allen Versprechungen … Aber das ist Afrika. Ich übe mich in Geduld ? ein mir völlig unbekanntes Gefühl ? und freue mich um so mehr, als dann endlich eine Email kommt.

Partnerschaft ? warum?

Warum man diese Strapazen auf sich nimmt, Kontakte zu halten versucht, unendlich viel Zeit investiert, Urlaubstage, Geld investiert? Als Person, als Gemeinde? Weil der Blick über den Tellerrand uns helfen kann, in unseren eigenen kirchlichen Spar- und Strukturdiskussionen unsere Prioritäten zu überprüfen. Weil es ein wunderbares Gefühl ist, trotz dieser Distanz, trotz völlig anderen Lebensumständen, uns im Glauben so nahe zu sein. Vereint unter Gottes Zelt. In seinem Bund, unter seinem Regenbogen. In Namibia und Deutschland.

Ein Regionalbüro zur Bekämpfung von HIV und Aids

Über 20 % der namibischen Bevölkerung ist HIV-positiv. Mit der Seuche, die 1986 das erste Mal auftrat, ist ein großer Teil der arbeitenden Bevölkerung infiziert, die Menschen zwischen 20 und 45. Großeltern müssen ihre Enkel aufziehen, manchmal auch ältere ihre jüngeren Geschwister.

Einen kleinen Beitrag zur Eindämmung der Pandemie, die Afrika fest im Griff hält, versuchen nun Gemeinden des Wuppertaler Kirchenkreises zu leisten. Ein regionales Aidsbüro soll in Keetmanshoop installiert werden. Von dort aus soll ein Angestellter dafür sorgen, in allen Dörfern und Städten des weitläufigen Kirchenkreises (tlw. 400 km von Keetmanshoop entfernt) Aids-Komitees zu errichten, ein Netzwerk von Ehrenamtlichen, die einerseits aufklären und andererseits Erkrankte zuhause versorgen sollen.

Etwa 8.000 Euro im Jahr sind dazu notwendig, für die Gemeinden im Kirchenkreis Wuppertal in den nächsten drei Jahren gerade stehen.

Um die großen Distanzen zu überwinden fehlt nun noch ein Auto. ?Wir fangen auf jeden Fall an?, so Pastor Diergaardt, der koordinierend tätig ist. Räumlichkeiten und eine geeignete Person muss gefunden werden ? dann geht es los.

Das Büro soll unter dem Programm ELCAP laufen, das schon in einigen anderen Kirchenkreisen Aids-Komitees installiert hat, teilweise auch Tests und Beratungen durchführt, Waisen und anderen gefährdeten Kindern Stipendien und Schuluniformen bezahlt.

Meine letzten Zweifel, ob ein Büro in Keetmanshoop wirklich notwendig ist, werden spätestens beim Besuch von “Catholic Aid Center”, dem u.a. auch von der Caritas unterstützten katholischen Aidsprogramm in Namibia, ausgeräumt. Die sympathische junge Ingrid führt uns herum. Etwa 90-120 Leute kommen jeden Monat, um sich anonym – beraten und testen zu lassen. Im letzten Monat waren 10 davon positiv. Wenn Ihr ein Büro der lutherischen Kirche eröffnet, heißen wir euch willkommen, mit uns zusammen den Kampf gegen Aids zu kämpfen. Es gibt genug Arbeit für alle.?

Der gemeinsame Kampf gegen die Seuche ? gestärkt durch das Wort Gottes. Unter Gottes Zelt vereint.

Katja Dummer

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